Grundschule Stederdorf 

OFFENE GANZTAGSSCHULE

Geschichte der Schule

Vorgeschichte

Im 19. Jahrhundert war in Stederdorf ein ständiges Ansteigen der Kinderzahl zu verzeichnen:

Jahr 1870 = Anzahl der Schulkinder 100

Jahr 1879 = Anzahl der Schulkinder 160

Jahr 1893 = Anzahl der Schulkinder 265


Es gab 3 Klassen mit 84 - 94 Schülern. Aus heutiger Sicht fast unglaublich: Zumindest ein Klassenzimmer der alten Schule war 10 Meter lang und 5 Meter breit!!! Das Schulgebäude war ein altes Fachwerkhaus.

Es unterrichteten 3 Lehrer, die Unterrichtsstunden waren von 12 auf 21 Wochenstunden angehoben worden.


Bau und Einweihung 1897

In den letzten Februartagen des Jahres 1896 wurde mit dem Bau der Schule begonnen.

Gemeinde und Schulverstand einigten sich mit der königlichen Regierung nach Diskussionen um Lage, Größe und Kosten des Baulandes auf ein Stück Land (ca. 5000 Quadratmeter) an der Tiefen Straße - unweit der Dorfstraße gelegen. Es wurde vom damaligen Mühlenbesitzer Adolf Hansen für 8150 Mark gekauft.

Planung und Bauleitung der neuen Schule wurde an den Architekten Eickhoff aus Peine vergeben. Die baulichen Arbeiten führten zum großen Teil Stederdorfer Handwerksmeister aus: so zum Beispiel die Maurerarbeiten Heinrich Kükenhahn und die Zimmerarbeiten August Pabst.

Das massive Backsteingebäude sollte nach seiner Fertigstellung Platz für

5 Schulklassen

2 Familienwohnungen für den 1. und 2. Lehrer

2 Wohnungen für unverheiratete Lehrer

Letztere Wohnungen sollten eventuell Später in eine sechste Schulklasse umgewandelt werden.

Am Sonntag, den 17. Oktober 1897 fand die feierliche Einweihung des neuen "Schulpalastes" unter Leitung des königlichen Lokalschulinspektors Herrn Pastor Lange statt.




Unterricht damals

Zur Zeit des Umzugs in die neue Schule bestand dos Kollegium aus

- dem ersten Lehrer Th. Soetebeer (seit 1887 in Stederdorf)

- dem zweiten Lehrer August Jacobs

- dem Schulamtskandidaten Hermann Leinemann

- Schulamtskandidat Richard Basse (1898 von der königlichen Regierung ernannt)

Es konnten die bisher drei Klassen in fünf aufsteigende Klassen aufgeteilt werden. Trotzdem waren in den einzelnen Klassen immer noch zwischen 47 und 61 Kindern.

Außerdem wurde die Verbesserung schon bald wieder beeinträchtigt durch eine 10-wöchige Abordnung zweier Lehrer zu einer Wehrübung.

Unterrichtsausfall aufgrund von Lehrermangel war die Folge - ein Phänomen, das während der kommenden 100 Jahre immer wieder auftreten und auch noch 100 Jahren noch nicht bewältigt sein wird.


Das 20. Jahrhundert, 1. und 2. Weltkrieg

Ab Ostern 1901 sollten die erste und die fünfte Klasse einen "verantwortlichen Klassenlehrer" erhalten.

Außerdem verfügte die königliche Regierung zu Hildesheim, dass "zur Erzielung größerer Planmäßigkeit im Unterrichte" die Stoffverteilung noch Wochenabschnitten ausgearbeitet und ein Lehrerbericht entsprechend dieser Einteilung erstellt werden sollte.

Diese Arbeitsweise besteht im Prinzip noch heute.

Im Schuljahr 1902/03 war die Schülerzahl auf 324 angestiegen, und Soetebeer wurde zum Hauptlehrer ernannt. Die Schüler wurden in 6 Klassen aufgeteilt und ab Ostern 1904 gab es einen weiteren Lehrer. Im gleichen Jahr wurden auf dem Schulboden drei neue Wohnungen für unverheiratete Lehrer ausgebaut. Das Schulgebäude erhielt eine "Vorhalle' (vorgezogener Eingangsbereich).

Der Unterricht wurde in diesem Jahr sehr beeinträchtigt durch eine Scharlachepidemie, die auch ein Todesopfer unter den Schülern forderte. Dreimal gab es einen längeren Unterrichtsausfall wegen Erkrankung der Lehrer.


Das Schuljahr 1906/1907 brachte nochmals eine Neuaufteilung in nunmehr sieben Klassen.

Das Kollegium 1911 (von links): Lehrer Jacobs, Prilop, Soetebeer, Krebs, Beuermann, Schatz


1913 trat Herr Soetebeer in den Ruhestand. Die Hauptlehrerstelle wurde zu einer Rektorstelle, die Herr Joachim Fitschen übernahm. Der Unterricht während des 1. Weltkrieges konnte nur in sehr beschränkter Form durchgeführt werden, da einige Lehrer zum Kriegsdienst einberufen waren.


Frau Margarete Könemann erinnert sich:

Wir waren 42 Kinder in der Klasse. Die Sitzordnung richtete sich nach den Leistungen - die Guten saßen vorn, die Schlechten hinten. Jedes Mal, wenn es Zeugnisse gegeben hatte, fragten wir uns: „Biste rupp `ekum oder biste runter `ekum?" Immer, wenn im Krieg eine Schlacht gewonnen war, läuteten die Glocken und wir bekamen einen Tag schulfrei. Deshalb sangen wir oft: „Lieber, guter Hindenburg, schlag die Russen von hinten durch, dass die Fetzen fliegen und wir Ferien kriegen.“


1919 konnte der Schulbetrieb endlich wieder in geregelten Bahnen verlaufen. In diesem Jahr wurde Rektor Fitschen nach Peine versetzt. Sein Nachfolger wurde Rektor Hasselberg, er verstarb bereits nach einem Jahr. Unter seiner Leitung fand das erste und für viele Jahrzehnte einzige Schulfest mit Vorführungen aller Klassen im Dorfpark statt. Nachfolger Hasselbergs wurde nun Jacobs.


1925 wurde aufgrund geringer Schülerzahlen eine Lehrerstelle gestrichen, sodass die Schule wieder sechsklassig wurde - das blieb so bis 1945.


Berichte der Jahrgänge 1939 bis 1945 fehlen - "wie zufällig“.


1940 wurde das Schuldach neu eingedeckt, und bei dieser Gelegenheit wurde ein Turmbau auf das Dach gesetzt, der als Wachturm im Krieg diente.

Vom 10.04.1945 bis 10.09.1945 durfte auf Anordnung der Besatzungsbehörde kein Unterricht durchgeführt werden. Bei Kriegsende, im Mai 1945, wurden für eine Nacht und einen Tag 130 Mann einer amerikanischen Einheit in der Schule einquartiert. Einige Tage später eine französische Einheit. Schulhof, benachbarte Straßen und Höfe standen voller Militärfahrzeuge

Zu dieser Zeit bestand das Kollegium aus den Lehrern Schormann und Wiebking und der Lehrerin Frau Pflaumann. 1946 erhielten die Lehrer Hennis, Meyer und Scherfeld die Erlaubnis, den Unterricht wieder aufzunehmen.


Nachkriegszeit

1947 wuchs das Kollegium auf sieben Lehrkräfte mit den Lehrern Klein, Blanck und Frl. Galdea an. Zudem wurde von der Gemeinde ein Hausmeister hauptamtlich eingestellt, der für die Reinigung der Schulräume zuständig war.

Im darauffolgenden Jahr wurden bereits die achte und die neunte Schulstelle geschaffen.

Schulen des Landkreises Peine führten Sammlungen von Heilkräutern und Wildfrüchten in den Jahren 1946 bis 1947 durch. Der Erlös und für gute Ergebnisse erzielte Prämien wurden hauptsächlich für die Beschaffung von Lernmitteln verwandt.

Welchen Mangel die Bevölkerung in den Jahren nach dem Krieg litt, wird daran deutlich, dass im Frühjahr 1948 für die Schulkinder eine „Schulspeisung“ eingeführt wurde.


1949 wurden aus der ehemaligen Dienstwohnung von Rektor Jacobs zwei neue Klassenräume geschaffen.

Im Herbst des Jahres herrschte eine große Trockenheit, sodass sogar der Schulbrunnen versiegte. Eine Hauswasserversorgung wurde im folgenden Jahr im Keller angelegt.

Mit den 50er Jahren begann ein immer lebendiger und abwechslungsreicher werdendes Schulleben: Es fanden regelmäßig Schulsportfeste und Weihnachtsfeiern statt. Die höheren Klassen besuchten Ausstellungen und Filmvorführungen. Die Schule selbst organisierte Ausstellungen mit Schülerarbeiten aus dem Zeichen und Nadelarbeitsunterricht. Mit dem Lehrer Hans Bredahl erfuhren die musischen Aktivitäten eine enorme Ausweitung: Es gab anspruchsvolle öffentliche Aufführungen mit dem Schulchor, Instrumentalmusik und Bühnenspiel. Bredahl selbst steuerte eigene Kompositionen bei.


1952 waren zahlreiche Klassenfahrten mit relativ fernen Zielen geplant: Eine Klasse fuhr nach Hamburg, eine andere nach St. Peter. Alle anderen Klassen mussten jedoch auf ihre schon organisierten Ausflüge verzichten, da die Spinale Kinderlähmung grassierte und vom Westen her auch das Kreisgebiet von Peine erreichte.


Die Nachwirkungen des Krieges waren auch 1953 noch deutlich zu spüren: In der „Woche der Brüderlichkeit“ wurde von den Schulkindern eine Sachspendensammlung für die Ostzonenflüchtlinge durchgeführt. Sie sammelten auch für die Deutsche Kriegsgräberfürsorge und schickten zu Weihnachten Pakete mit Lebensmitteln und Kleidung an bedürftige Familien in der Ostzone.


von links: Blanck, Penner, Schormann, Galdea, Klein, Hennis, Wiebking, Wilke, Meyer


Wann August Meyer Rektor wurde, ist nicht verzeichnet. 1954 trat er jedenfalls in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Schormann. Nach den Herbstferien gab es eine Neuerung in der Stundentafel, es wurde Werkunterricht eingeführt, erteilt von Lehrer Bredahl.


1955 wurde nach jahrelangen Planungen mit dem Bau einer neuen Toilettenanlage begonnen. Der Bau zog sich über ein Jahr hin, weil es Missverständnisse hinsichtlich der Zuständigkeit gab.


    

Krüger wird 1956 neuer Schulleiter der Volksschule Stederdorf, die jetzt 320 Schüler hat. Anlässlich einer Ausstellung von Schülerarbeiten wird die dringende Notwendigkeit eines Werkraumes verdeutlicht.


Schule im Umbau

Im Frühjahr 1959 wurde ein grundlegender Umbau der Schule in Angriff genommen. Das Auflösen von Lehrerwohnungen brachte nicht mehr genug Raum für die ständig ansteigenden Kinderzahlen. Die Flure wurden erheblich durch den Anbau eines Treppenhauses vergrößert. Der alte Dielenfußboden wurde durch Parkett ersetzt, Fenster und Türen wurden modernisiert. Ein Klassenzimmer wurde aufgelöst, sodass ein Rektor- und ein Lehrerzimmer sowie ein Lehrmittelraum eingerichtet werden konnten. Der Schulhof wurde asphaltiert. Die Arbeiten waren zum Ende der Sommerferien nicht beendet, sodass der Unterricht bis zu den Herbstferien im Pfarrhaus, im Saal der Gastwirtschaft „Winkel“ und im Clubzimmer bei „Schönau“ abgehalten werden musste.

Stüber, der inzwischen Schulleiter geworden war, mahnte bereits zu dieser Zeit an, dass über den Neubau eines Klassentraktes mit bis zu vier Klassen nachgedacht werden musste, wenn die Schülerzahlen weiter anstiegen.

Der gesamte Zeitraum der sechziger Jahre wurde von der Diskussion um eine mögliche Erweiterung geprägt. Es wurden Überlegungen angestellt, entweder die Grundschul- oder die Oberstufenklassen auszulagern.


1963 wurde die Hausmeisterwohnung ausgelagert, sodass im Dachgeschoss ein Werkraum geschaffen wurde. Es wurde die 9-jährige Schulpflicht eingeführt und das Kollegium umfasste inzwischen 14 Lehrkräfte. Ab Mai gab es für die Stederdorfer Schule endlich eine Turnhalle.


1964 wurde das alte Wirtschaftsgebäude an der Ostseite auf Drängen des Schulleiters abgerissen. So wurde Platz für einen Schulgarten geschaffen. Aus den Fundamenten der früheren Waschküche entstand ein großes Aquarium. Bis 1967 war die Anzahl der Klassen auf 13 gestiegen, und es mussten „Wanderklassen“ eingerichtet werden. Die Unterrichtsversorgung betrug nur 70 Prozent.


1967 wurde der Termin zur Einschulung vom 1. April auf den 1. August verlegt. Als Zwischenlösung wurden zwei Kurzschuljahre eingeführt. Es entstand beginnend zwischen der 1. und 3. Klasse eine Lücke, die erst 1975 wieder geschlossen sein würde. Ein Wiederholen bestimmter Schuljahre war nicht möglich, was einige Schwierigkeiten in der pädagogischen Arbeit mit sich brachte.


Die Pläne, in Stederdorf eine neue Schule zu bauen, wurden immer konkreter. Der damalige Kultusminister Langeheine sprach sich für eine Schule mit 22 Normalklassen aus. Die Grundschule sollte dreizügig, die Hauptschule zweizügig sein. Modelle und Zeichnungen lagen bereits vor. Man rechnete mit Baukosten in Höhe von drei Millionen Mark. Baubeginn sollte 1970/71 sein. Diesbezügliche Anträge wurden jedoch immer wieder abgelehnt. 1970 wurde dann, aus finanzieller Not des Landes Niedersachsen, ein Baustopp für alle noch nicht begonnenen Schulbauten ausgesprochen.


Damit musste man nach anderen Lösungen suchen. Es wurde in Gemeinderats-, Schulausschuss- und Elternratssitzungen heftig die Umschulung der Hauptschüler zur Eichendorffschule in Peine diskutiert. Auch die Mittelpunktschule in Edemissen hatte angeboten, die Schüler ab der 5. Klasse aufzunehmen.


Bevor diese Veränderungen tatsächlich eintraten, gab es zunächst einen Wechsel in der Schulleitung. Kurt Mätzing wurde Nachfolger von Rektor Stüber, nachdem die Stelle ein halbes Jahr unbesetzt war. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Schule 13 Klassen, 405 Schüler und 15 Lehrkräfte.


Mit dem Schuljahresbeginn 1973/74 wurden die Schüler der 5. Klasse zur Eichendorffschule überwiesen. Ab August 1977 war die Stederdorfer Schule dann eine reine Grundschule. Zeitgleich mit der Ausgliederung der Hauptschule wurde ein besonderes Anliegen der Schulaufsichtsbehörde realisiert: In Stederdorf entstand die erste Vorschule des Landkreises lm Februar. 1974 wurden 3 Vorschulklassen eingerichtet.


Ab August 1979 wechselten die Kinder der 5. Klassen über nach Edemissen aufgrund der Einführung der Orientierungsstufe.


In den 80er Jahren entwickelte sich innerlich wie äußerlich ein farbiges Schulleben. Es fanden in regelmäßigen Abständen Schulfeste statt, Tage der „offenen Tür“ mit Ausstellungen von Schülerarbeiten. Wandertage und Klassenfahrten gehörten von nun an genauso ins feste Jahresprogramm wie die Weihnachts- und Faschingsfeier.

Einige Lehrer und Schüler der vierten Klassen gestalteten 1981 den Schulhof, indem sie verschiedene Spiele auf den Asphalt zeichneten. Das Toilettengebäude wurde bunt mit großzügigen Motiven bemalt.



Einen Schulausflug ganz besonderer Art erlebten die Stederdorfer Schulkinder 1986: Rektor Mätzing schaffte es, den alten Bahnhof in Stederdorf zu "reaktivieren". Ein Sonderzug wurde eigens eingesetzt, um die gesamte Schulmannschaft, Schüler, Lehrer und einen Großteil der Eltern zum Wandern ins Assegebiet zu befördern. An einem Samstag im Mai fuhr der Zug um 8.30 Uhr in Stederdorf ab. Zielbahnhof war Dettum. Dort wurde gewandert, es wurden verschiedene Spiele gemacht, und es gab ein Mittagessen aus der „Gulaschkanone" des Roten Kreuzes. Zurück ging es ebenfalls mit dem Sonderzug direkt nach Stederdorf.

Bereits ein Jahr später feierte man ein großes Schulfest, dessen eindrucksvollste Attraktion die Rettung des Schulleiters durch die Feuerwehr war. Wie real solche Übungen für Kinder sind, zeigte sich bei einer Erstklässlerin: Es kullerten Tränen bis Rektor Mätzing endlich auf einer Trage "geborgen" wurde.


Schule im Aufbruch

Als der Schulhof 1959 asphaltiert wurde, galt das sicherlich als wünschenswerte, fortschrittliche Maßnahme. Die Kinder konnten trockenen und sauberen Fußes in die Schule gelangen. Mit den Jahren stellte sich jedoch heraus, dass den Kastanien auf dem Hof die „trockenen“ Füße gar nicht gut bekamen. Man befürchtete, dass sie eingehen würden, und so wurden Teilstücke der Asphaltierung 1988 wieder entfernt, damit die Baumwurzeln ausreichend Sauerstoff und Feuchtigkeit aufnehmen können.


Die vierten Klassen, die von Rektor Mätzing verabschiedet wurden, bevor er selbst 1994 in den Ruhestand ging, hinterließen ihre ganz persönlichen Spuren: Die Schüler übertrugen ihre Umrisszeichnungen ihrer Körper auf die Wand beim Fahrradstand und gestaltete sie farbig aus. Es wurde ein farbenfroher Blickfang ("Menschen in Bewegung« unter der Leitung von Frau Ilonka Bruhn).


Mit dem Schuljahresbeginn 1994/95 geht die Leitung der Schule erstmals seit ihrem Bestehen in weibliche Hände über. Birgit Kreissel übernimmt ihr Amt an der jetzt zweizügig laufenden Grundschule, der eine Vorschulklasse angeschlossen ist.


Das gegenwärtige Jahrzehnt ist für unsere Schule in vielerlei Hinsicht eine Zeit des Aufbruchs: „Starre Unterrichtsformen" werden aufgebrochen, angestrebt wird offener Unterricht, Freiarbeit, selbstbestimmtes Lernen nach Tages- oder Wochenplänen. „Lehrstrukturen" werden aufgebrochen, das Unterrichten im Team wird erprobt. Auch der „Schulalltag“ wird immer wieder aufgebrochen, durch Unterrichtsgänge, Waldjugendspiele, Piratenfest, Aktionen zur Gestaltung des Schulhofes, das Pflanzen eines Bohnenzeltes, in der Folge das kochen einer Bohnensuppe, und vieles mehr. Die „starre Asphaltdecke" wird weiter aufgebrochen, um Platz für einen Kletterbaum zu schaffen, die „Abgrenzung zum hinteren Hofteil" wird aufgebrochen, um den Kindern mehr Bewegungsmöglichkeiten zu geben.













Der Kletterbaum hat nicht nur das Aussehen des Schulhofes entscheidend verändert, sondern auch die Pausenspiele der Kinder. Viele Vorbehalte, dass das Unfallrisiko für die Schüler steigen würde, konnten entkräftet werden. Untersuchungen des Gemeinde-Unfall-Verbandes belegen, dass ein asphaltierter Schulhof ohne phantasievolle Spielmöglichkeiten sogar höhere Unfallziffern zur Folge hat. Ein interessantes Detail: Der Kletterbaum kostete nur 20 DM, das „Drumherum“ allerdings 7000 DM.


Abwechslung bringen seit 1996 auch die Büchereistunden, die Frau Melchien ehrenamtlich für die Klassen abhält. Interessante Bücher, altbewährt oder neu entdeckt, werden vorgestellt. Die Kinder erfahren einiges über den jeweiligen Autor. Anschließend werden jedes Mal die Bücherregale gestürmt…


Seit Sommer 1997 ist in der Grundschule Stederdorf „der Bär los": Durch die Initiative der Eltern wurde der Verein „Freunde der Grundschule Stederdorf“ gegründet. Sein Markenzeichen ist der Bär. Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern nimmt jetzt neue Formen an.


1998 wurde das 100-jährige Bestehen der Stederdorfer Schule gefeiert. Horst Apel vom Schulaufsichtsamt der Bezirksregierung Braunschweig veranschaulichte in seiner Rede den Unterricht „in grauer Vorzeit“: In einem Schulsaal um 1920 fanden bis zu 80 Kinder „mittlerer Größe" Platz. 0,6 Quadratmeter standen einem Kind zu. Im Unterricht auf die Toilette gehen, das gab es nicht, da hätten ja erst alle aufstehen müssen…


Das Schuljubiläum wurde von den Kindern mit Glücksrad, Luftballon, Straßenmalerei und eben mit allem, was Spaß macht, gefeiert. Besonders vor der Geisterbahn türmten sich die Schuhe von wartenden Kindern, die alle das Skelett und die Lichtblitze im dunklen Klassenraum erleben wollten. Ein weiterer Höhepunkt war, dass die Jungen und Mädchen Fenster mit Fingerfarbe bemalen durften. Und wer nicht hören wollte, sondern auch sehen wollte, wie früher unterrichtet wurde (starre Sitzordnungen, Rohrstock, Schiefertafeln...), ging ins „Schulmuseum".


            

Ortskünstler Ernst-Christoph gab der Schule „Gesicht" mit Kindermasken im Eingangsbereich des Schulgebäudes und sorgte so für eine bleibende Erinnerung an dieses Fest, zu dem auch viele Ehemalige gekommen waren.